Nach Monaten harter Überzeugungsarbeit haben sich die deutschen Mitbürger in Zürich nun endlich durchsetzen können und dem Züricher Geschnetzelten zu seiner korrekten Schreibweise verholfen. Während Jahrzehnten schrieben Gaststätten und zum Grossteil auch lokale Journalisten den Namen des beliebten Gerichtes ohne ein "i".
"Zürcher Geschnetzeltes: dieser Helvetismus ist nicht nur inkorrekt sondern auch unlogisch", brüskiert sich Friederike Wiese, eine lizenzierte Germanistin aus Leipzig, die im Züricher Zeughauskeller serviert: "Es macht doch keinen Sinn, wenn sogar die Schweizer die Stadt in ihrem Dialekt 'Züri', also ohne "ch" am Schluss nennen, das Adjektiv dann aber ohne das "i" bilden!"
Eine Arbeitsgruppe des Vereins Deutscher in Zürich hat sich daraufhin daran gemacht, die Ursache dieses Unverständnisses für die deutsche Sprache zu finden. "Wir waren ein repräsentatives und vielseitiges Team mit einem Berliner, zwei Leipzigern - also einem Mann und einer Frau aus Leipzig, und noch einer Berlinerin, einer Hannoveranerin und einem Jenaer" erklärt Gruppenleiter Kai-Uwe Stieglitz. Wir wollten die verschiedenen Sprachregionen Deutschlands in der Gruppe haben, um nicht einen bestimmtes Idiom zu bevorzugen.
Stieglitz: "wir fanden heraus, dass die Schweizer diesen I-Fehler nur machen, wenn sie versuchen etwas in Schriftdeutsch, also in der deutschen Standardsprache niederzuschreiben." Am offensichtlichsten sei dieser I-Fehler (mit Ausnahme der Fleischsosse) bei einer der bekanntesten Tageszeitungen im Grossraum Zürich. "Wir waren schockiert, dass selbst ein renommiertes Blatt, wie die NZZ diesen Fehler tagtäglich wiederholt." gibt Friederieke Wiese zu. Etwas müsste unternommen werden.
Eine Erziehungskampagne in Form von endlosen Fragestellungen an sozialen Anlässen stiess bei den Schweizern nicht auf das erwünschte Echo: "Immer wieder haben wir das Thema an Parties oder im Gespräch aufgegriffen und unseren schweizerischen Kollegen zu erklären versucht, wieso sie diesen Fehler machen, aber der Schweizer ist ja bekanntlich nicht so kritikfähig." verkündet Sandra-Anna von Brauschitz, eine freiwillige Helferin der Gruppe aus Kiel, die in Rümlang als Telefonistin arbeitet.
"Als einzige Lösung sahen wir den politischen Weg", erklärt Stieglitz: "eine andere Arbeitsgruppe hat schon vor ein paar Jahren bei den ZVV (Züricher Verkehrsbetriebe, Anm.d.Redaktion) eine ähnliche Petition durchgebracht und dem Unsinn mit dem Wort 'Endstation' ein Ende bereitet." Für viele Deutsche sei es nicht verständlich gewesen, was mit dem Wort gemeint sei. Seit es "Endhaltestelle" genannt werde, sei es viel einfacher. Stieglitz: "Es ist das selbe Wort, das wir auch in Berlin verwenden, da weiss man sofort und intuitiv, was man zu tun hat. So schafft man Effizienz!"
Mit langen Beschwerdebriefen an den Stadtrat und einigen Sit-Ins zeigte sich die Zürcher Exekutive schlussendlich einsichtig und erliess eine Verordnung, welche die Restaurateure vorerst ermahnt, das "i" ebenfalls zu schreiben. "Ab 2015 ist es dann Pflicht", so Daniel Leupi vom Polizeidepartement: "Es wurde halt Zeit, dass wir uns anpassen und dieses 'i' schreiben, sonst liegen die Deutschen uns noch jahrelang in den Ohren!"
Der Fall spielt eine wichtige Vorreiterrolle und wird die Einführung des korrekten Deutschen in der Schweiz beschleunigen. "Unser langfristiges Ziel ist, dass es die Kinder schon von kleinauf in der Schule lernen," so Stieglitz: "im Endeffekt ist es ja total ineffizient, wenn sie zuerst alles falsch lernen und es dann im Erwachsenenalter umlernen müssen."
STAVRO

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